Advanced ITIL

Die Ziele von ITIL

Ziele für das Release-Management

Kapitel 5

Das Release-Management wird häufig als dem Change-Management untergeordnet betrachtet. Tatsächlich ist es jedoch ein wichtiges ITIL-Element, da häufig nicht die Änderung selbst scheitert, sondern die Freigabe der Änderung. Die ITIL-Ziele in diesem Bereich sind umfassend und genau:

  • Planung und Überwachung der erfolgreichen Einführung von Software und zugehöriger Hardware
  • Entwurf und Implementierung effizienter Verfahren für die Verteilung und Installation von Änderungen an IT-Systemen
  • Gewährleistung, dass Hardware und Software nachverfolgbar und sicher sind und dass nur korrekte, genehmigte und geprüfte Versionen installiert werden.
  • Weitergabe und Verwaltung von Erwartungen der Kunden während der Planung und Einführung neuer Versionen
  • Durch Abstimmung mit dem Change-Management Vereinbarung des genauen Inhalts und Freigabeplans der Version
  • Implementierung neuer Softwareversionen oder Hardware in der Betriebsumgebung mit Hilfe der Steuerungsprozesse des Configuration- und des Change- Managements: Jede Version sollte dem Change-Management unterliegen und kann aus einer beliebigen Kombination von Hardware-, Software-, Firmware- und Dokument-KEs bestehen.
  • Gewährleistung, dass Master-Kopien aller Software in der Definitive Software Library (DSL) gespeichert werden und die Konfigurationsdatenbank (CMDB) aktualisiert wird.
  • Mit Hilfe der Services des Configuration-Managements Gewährleistung, dass alle Hardware sicher und nachverfolgbar ist.

Acht Elemente bedeuten normalerweise, dass das Ziel kompliziert ist. In diesem Fall ist Genauigkeit jedoch wichtig, da das Release-Management sorgfältig gehandhabt werden muss. Betrachten wir die einzelnen Elemente genauer:

„Planung und Überwachung der erfolgreichen Einführung von Software und zugehöriger Hardware“: Die Schlüsselwörter sind hier „Planung“ und „Überwachung“. Haben Sie klare Pläne für die Einführung von Hardware und Software?

Stellen Sie sicher, dass alle beteiligten Parteien während der Einführung regelmäßige Rückmeldungen erhalten? Verwenden Sie Standardpläne/-projekte als Vorlage? Wenn Sie alle diese Fragen mit „ja“ beantworten können, haben Sie die Bedingungen dieses Zielelementes erfüllt. Falls Sie diese Fragen nicht mit „ja“ beantworten können, sind die Fehlschläge, die Sie wahrscheinlich erfahren, der Beweis dafür, dass Sie die Bedingungen dieses Zielelementes nicht erfüllen. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie Pläne verwenden, verwenden Sie wahrscheinlich keine. Falls Sie Zweifel haben, fragen Sie einige wichtige Teams, zum Beispiel das Service-Desk, ob sie bei Einführungen einbezogen, nach ihrer Meinung gefragt oder informiert werden.

„Entwurf und Implementierung effizienter Verfahren für die Verteilung und Installation von Änderungen an IT-Systemen“: Effiziente Verfahren werden meist als „Prüflisten“ oder „Arbeitsanweisungen“ bezeichnet. Diese Verfahren gewährleisten, dass die in einem Prozess erforderlichen Aktionen gemäß vordefinierten Service-Levels und Standards durchgeführt werden. Sie müssen laufend abgestimmt und korrigiert werden, damit sie so genau wie möglich sind. Möglicherweise müssen Sie zum Beispiel bei der Prüfung einer neuen Workstation zehn Anweisungen befolgen. Da Anrufe zu Problemen mit neuen Workstations beim Service-Desk eingehen, können Sie Ihrer Liste jedoch noch eine weitere Anweisung hinzufügen, um die Probleme direkt an der Quelle zu beheben. Verfügen Sie über effiziente Verfahren und überwachen Sie deren Effizienz ständig? Aktualisieren Sie Verfahren, wenn sie unzulänglich zu sein scheinen? Um dieses Zielelement zu erreichen, sollten Sie diese Verfahren verwalten. Machen Sie dies nicht, so sollten Sie anhand der Service-Desk- Datensätze nachweisen, dass wahrscheinlich weniger Vorfälle aufträten, wenn Sie diese Verfahren einführten.

„Gewährleistung, dass Hardware und Software nachverfolgbar und sicher sind und dass nur korrekte, genehmigte und geprüfte Versionen installiert werden“: In diesem Element geht es im Grunde genommen um die Lizenzierung. Wie sicher sind Sie, dass Sie Ihre Lizenzverträge einhalten? Dieses Zielelement stellt fest, dass alle Elemente nachverfolgbar und sicher sein müssen, und dass nur korrekte, genehmigte und geprüfte Versionen installiert werden dürfen. Damit ein Element nachverfolgbar ist, müssen die entsprechenden KEs in der CMDB vorhanden sein. Damit es sicher ist, muss es über die richtigen Zugriffsebenen verfügen; bei Software muss außerdem eine Kopie an einem sicheren Ort gespeichert sein. Damit das Element korrekt ist, müssen redundante Versionen aus der Freigabeumgebung entfernt werden. Damit es genehmigt ist, muss es über die richtigen Signaturebenen verfügen und die Lizenzbestimmungen erfüllen. Damit es geprüft ist, muss es anhand vordefinierter Kriterien unabhängig geprüft worden sein. Eine lange Liste. Wie schneidet Ihr Unternehmen bei diesen Komponenten ab? Falls Sie nicht allzu gut abschneiden, haben Sie Ihr Argument bereits gefunden. Falls die Anweisungen überhaupt nicht oder nur von Teilen der IT-Abteilung ausgeführt werden, beweisen Sie dies anhand Ihrer Service-Desk-Datensätze.

Manchmal funktioniert eine direkte Herausforderung. Sie könnten zum Beispiel um eine schriftliche Bestätigung bitten, dass das Unternehmen alle Lizenzbestimmungen vollständig erfüllt.

„Weitergabe und Verwaltung von Erwartungen der Kunden während der Planung und Einführung neuer Versionen“: Dieses Element können Sie relativ einfach überprüfen. Erstens: Sind entsprechende Pläne vorhanden? Zweitens: Wird dieser Schritt zur Zufriedenheit der Kunden durchgeführt? Falls die Kommunikation Bestandteil Ihrer Pläne und Verfahren ist, erfüllen Sie die erste Bedingung dieses Zielelementes. Bei der Überprüfung der zweiten Bedingung beschränken Sie sich nicht auf Pläne. Fragen Sie die Kunden, ob sie mit den erhaltenen Rückmeldungen zufrieden und sicher sind, dass ihre Erwartungen erfüllt werden. Dadurch können Sie feststellen, ob Sie die Bedingung dieses Zielelementes erfüllen.

„Durch Abstimmung mit dem Change-Management Vereinbarung des genauen Inhalts und Freigabeplans für die Version“: Wie bereits erwähnt, hängt der Erfolg von ITIL davon ab, dass die Prozesse ineinander eingebunden weden. Hier müssen Sie die Beziehung zwischen dem Change-Management und dem Release-Management überprüfen. Die Einführungsplanung muss das Change- Management unbedingt einbeziehen. Dies ermöglicht die Planung anderer Änderungen, damit diese nicht mit der Einführung in Konflikt geraten oder sie verzögern. Holen Sie bei der Einführungsplanung den Rat des Change-Managements ein? Falls nicht, wird es zu Konflikten zwischen Änderungen und möglicherweise zu Verzögerungen kommen und Sie werden die Anforderungen dieses Elementes nicht erfüllen.

„Implementierung neuer Softwareversionen oder Hardware in der Betriebsumgebung mit Hilfe der Steuerungsprozesse des Configuration- und des Change- Managements: Jede Version sollte dem Change-Management unterliegen und kann aus einer beliebigen Kombination von Hardware-, Software-, Firmware- und Dokument-KEs bestehen“: Wieder geht es um Integration. Beachten Sie, dass dieses Zielelement feststellt, dass eine Version aus einer beliebigen Kombination von Hardware, Software, Firmware und Dokumentation bestehen kann. Damit die Einführung erfolgreich verläuft, muss die CMDB während der Einführung immer den neuesten Stand aller KEs widerspiegeln, wobei das Change- Management den Status der KEs verwaltet. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass das Configuration- und das Change-Management vollständig in Versionsfreigaben und Einführungen eingebunden sind. Wenn dies zutrifft, erfüllen Sie die Anforderungen dieses Elementes. Anderenfalls müssen Sie die Bedeutung dieser vollständigen Einbindung eindeutig nachweisen. Die Service-Desk-Datensätze enthalten möglicherweise Daten, mit denen Sie Ihre Argumente untermauern können.

„Gewährleistung, dass Master-Kopien aller Software in der Definitive Software Library (DSL) gespeichert werden und die Konfigurationsdatenbank (CMDB) aktualisiert wird“: Obwohl die IT schon immer sichere Master-Kopien von Software anlegen musste, geht sie dabei häufig nicht sonderlich systematisch vor. Stellen Sie fest, ob alle Software-Master an einem sicheren Ort gespeichert sind und in der Produktionsumgebung ausschließlich Kopien verwendet werden. Dies sollte leicht zu überprüfen sein.

„Mit Hilfe der Services des Configuration-Managements Gewährleistung, dass alle Hardware sicher und nachverfolgbar ist“: Das letzte Zielelement gewährleistet, dass die CMDB jederzeit den aktuellen Status aller KEs widerspiegelt und dass alle in der CMDB aufgeführten Elemente tatsächlich existieren. Dies können Sie einfach nachprüfen, indem Sie mit Buchprüfungen oder Bestandsaufnahmen die in der CMDB genannte Hardware mit der Hardware vergleichen, die an bestimmten Orten tatsächlich vorhanden ist. Falls alle Prüfungen erfolgreich verlaufen, leisten Sie gute Arbeit. Anderenfalls haben Sie die Anforderungen dieses Elementes nicht erfüllt und möglicherweise droht Ihnen eine offizielle Buchprüfung.

Das Release-Management ist ein Schlüsselprozess, der umso wichtiger wird, je mehr die IT die Geschäftsprozesse durchdringt. Betrachten Sie das Release- Management nicht bloß als unregelmäßige Aktivität. Sie ist eine fortlaufende Aktivität. Wenn wir sicherstellen möchten, dass unser Unternehmen künftige Entwicklungen der IT optimal nutzt, dann müssen wir unsere Versionen sinnvoll verwalten.

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